„Wir gründen Deutschlands grösste Stadt“
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Der ewige Vergleich mit Berlin tut dem Ruhrgebiet in keinster Weise gut. Von der Fläche her ist das Ruhrgebiet ja tatsächlich vielleicht noch vergleichbar, aber das ist auch alles, damit hört auch schon jeder Vergleich auf, ja, er muss sogar aufhören. Natürlich kann man in Berlin auch eine Stunde fahren und ist imme noch in Berlin. Im Ruhrgebiet fährt man eine Stunde ist auch immer noch im Ruhrgebiet. Doch schon der Versuch die Stadtbezirke Berlins metaphorisch aufs Ruhrgebiet zu übertragen nach dem Motto: “Auch der Ruhri muss nur eine Stunde fahren um woanders Kultur zu erleben” muss scheitern. Berlin konnte nach und nach im Laufe seiner Geschichte die Stadtgrenzen erweitern und schluckte, ähnlich wie London, die kleien Vororte und Städte rund um sich her, machte sie zu einem großem Ganzen, das allerdings auch nicht immer mit einer Stimme spricht. Aber dennoch begreift sich der Berliner als Teil der Stadtentwicklung, wenn er auch in einem Bezirk wohnt ist er doch in erster Linier eines: Berliner. Der Bewohner des Ruhrgebiets dagegen ist in erster Linie Duisburger, Oberhausener, Mülheimer, Bochumer … und vielleicht erst dann Ruhrgebietler. Er würde das Ruhrgebiet natürlich mit Händen und Füßen gegen jeden Anwurf von außen verteidigen. Doch in erster Linie ist der Ruhri Teil der Stadt in der er lebt.
Wer sich in Berlin einmal eingerichtet hat, sein soziales Umfeld im Kiez festgezurrt hat ist sicherlich auch in erster Linie mit diesem Umfeld verwurzelt und hat sich seine eigene Comfortzone geschaffen. Dennoch ist der Berliner offenbar imstande, zwar diese Comfortzone zu behalten, sich aber dennoch mit Berlin als Stadt zu identifizieren und als Botschafter für sie zu fungieren. Berlin lebt auch von seiner Geschichte. Das Ruhrgebiet lebt auch von seiner Geschichte, aber in erster Linie von der Geschichte der einzelnen Städte und nicht in erster Linie von der Geschichte des Ballungsraumes an sich. Allenfalls in Klischees und schlechten Kabarett-Comedy-Veranstaltungen wird der Ruhri sich selbst als Teil des Ganzen erkennen. Als Ruhrgebietsbürger aber fehlt die Identifikation mit der Region, denn für den Ruhri steht erstmal die Stadt an erster Stelle in der er lebt. Danach kommt vielleicht noch die Region. Aber dass sich ein Ruhrgebietsbürger tatsächlich dazu herablässt, eine Stunde zu fahren um irgendwas Besonderes außerhalb der eigenen Stadt zu erleben ist selten. Da müssen es schon Großereignisse sein wie bei der Ruhr2010, deren Nachhaltigkeit zu bezweifeln ist. Das erzwungene Gemeinschaftsgefühl des Jahres 2010 bricht 2011 auseinander, anstatt dass man Geld in nachhaltige Förderungsprojekte investiert hätte dominierte das Event mit plakativen Bildern für die Medien.
Verabschieden wir uns doch einfach von diesen Vergleichen mit New York, mit Berlin, mit Metropolen von Weltrang. Das Ruhrgebiet denkt immer noch in Baumstrukturen und Machtabhängigkeiten, wenn es eigentlich längst begriffen haben sollte dass eine Kooperation wie in einem Rhizom ihm besser zu Gesicht stünde. Aber im Ruhrgebiet gibt es zu viele Eigeninteressen, zu viele die im Laufe der Jahre Pfründe angesammelt haben. Jede Stadt für sich sucht ihren Vorteil. Dies ist legitim. Doch Städte haben noch nicht begriffen, dass sie im Zeitalter der Kooperation, in einem Zeitalter, in dem Soziale Netzwerke im Internet allmählich die Gesellschaft beeinflussen und ein neues Verständnis von CoWorking entsteht, dass sie also in diesem Zeitalter als Einzelkämpfer nur begrenzt vorankommen. Bis es soweit ist, wird der Ruhri seine eigene Comfortzone allenfalls dann verlassen, wenn seine Fußballmannschaft auswärts spielt.
| Wolfgang FroeseWolfgang.Froese@gmx.de06.01.2012 20:46 |
| Ja zur "RuhrStadt" Es wird Zeit, dass sich die "Ruhris" von ihrer Schrebergarten-Mentalität verabschieden. Das "Ruhrgebiet" - wie immer man auch die Grenzen zieht - wird ausserhalb nur als konturenlose Grauzone wahrgenommen, an der man am besten schnellstens vorbeifährt, um zur Düsseldorf-Köln-Bonner-Rheinschiene oder im ruhigen Münsterland zu gelangen. In allen Städte-Rankings fällt die "Grauzone der Schrebergartenmentalität" entweder völlig heraus oder landet auf den hintersten Plätzen. Kaum einen Münchner, Hamburger zieht es ins Ruhrgebiet, aber viele "Ruhris" flüchten dort hin, der besseren beruflichen Chancen wegen und des wirklichen "Metropolen-Feelings". Es gilt endlich zu begreifen: Nach Jahrzehnten des Niedergangs, des Herumwurschtelns, das Kleben an der "vermeintlichen Selbständigkeit" hat ausgedient. Im europäischen Regionen-/Metropolen-Wettbewerb zählt nicht die anachronistische Verlebtheit in meim WAT-Kfz-Kennzeichen, sondern harte Fakten hinsichtlich der Konkurrrenzfähigkeit in der Infrastruktur, der Zügigkeit von Investionsentscheidungen. Wozu braucht das Ruhrgebiet 20 + x Sparkassen, 30 + x Stadtwerke / Verkehrsbetriebe, 2 verschiedene Landschaftsverbände, 3 Regierungsbezirke x versch. Handelskammern etc., etc. Allein die Synergieeffekte, die ein einheitliches Auftreten gegenüber der investierenden Wirtschaft, Bund, Land und Brüssel ergeben würden, zwingen uns bei dem sich alltäglich abzeichenenden finanziellen Kollaps des Ruhrgebiets. Auf Selbstständiekeit kann man nur beharren, wenn man es sich auch leisten kann, wir, das Ruhrgebiet, sind hingegen in der jetztigen Fragmentierung nur Kostgänger ohne Zukunftsperspektive ! Ärgern wir uns nicht täglich auch über die überflüssige Selbständigkeit der hochverschuldeten Zwergländer wie das Saarland und Bremen ?, die wir alle durchschleppen müssen ? Wieviele Millionen Euro jährlich könnten durch das Einsparen der dortigen Hofstaaten eingespart und für Investitionen bzw. die Tilgung erdrückenden bundesdeutschen Schuldenabbaus genutzt werden. Das Ruhrgebiet hat Jahrzehnte die Chance gehabt, seine Selbständigkeit unter Beweis zu stellen, herausgekommen ist der Beweis des nahenden Bankrotts ! |
| Alf MetzenrothAlf.Metzenroth@gmx.de16.09.2011 01:21 |
| Verabschieden wir uns doch einfach mal von dem Mythos, im Ruhrgebiet leben nur Ruhris. Im Ruhrgebiet leben durchaus auch Rheinländer, Niederrheiner und Westfalen, die sich nicht als Ruhris fühlen. Nach der Großen Ruhrgebietsumfrage, durchgeführt vom Bochumer Institut für angewandte Kommunikationsforschung, in Zusammenarbeit mit der WAZ, fühlen sich nur 26,3%% als Ruhri, 24,7%%Westfalen oder Rheinländer. Auch sind die Grenzen verschwommen. Bemerkenswert ist, Wuppertal und Düsseldorf werden oft zum Ruhrgebiet gerechnet. Wesel meist seltener. Die Zahlen sind Wuppertal 37%%, Düsseldorf 31,6%%, Wesel 24%%. Fazit: Die Konturen des Ruhrgebiets verschwimmen zum Rand hin. Düsseldorf von jedem Dritten als Teil des Ruhrgebiets gesehen. |
| Manuel Fischer14.09.2011 21:04 |
| Zitat: "Der Bewohner des Ruhrgebiets dagegen ist in erster Linie Duisburger, Oberhausener, Mülheimer, Bochumer … " Daran sehe ich eigentlich erst einmal nichts schlimmes. Schauen wir mal nach München: Dort gibt es den Schwabinger, der auf sein Schwabing schwört, es gibt den Giesinger, der sein Giesing liebt und es gibt den Perlacher, der selbsverständlich auf seine Umgebung inklusive Perlacher Forst schwört. Im Beispiel Berlin gibt es den Kreuzberger, den Prenzlauer, den Spree'ler usw. Ich als gebürtiger Wanne-Eickeler kann zum Einkaufen ebenso in den Ruhrpark nach Bochum fahren als auch in das CentrO in Oberhausen. Ich bin auch immer gern durch die Altstädte von Gelsenkirchen bzw. Buer geschlendert. Ich denke, an den Bürgern liegt es am allerwenigsten. Denn sonst müssten wir vermutlich Besitzwahrstände wie im Mittelalter haben. Das Problem aus meiner Sicht sind glaube ich eher Diskussionen und Ideen oder Probleme, wie: wo sollte ein gemeinsames Rathaus sitzen? Wie bekommt man die verschiedenen Verkehrsbetriebe wirklich unter einen Hut bzw. endgültig verschmolzen? Kann man ein Ring-System wie in München einführen (ÖPNV und wenn ja wo soll der erste Ring beginnen?) oder bleiben wir bei unserem Ruhrschnellweg und dem Preisstufensystem? |